Rekord-Partynacht im Wald bei Gehren
Gehren Elke Schirmer weiß am Samstagabend schon kurz nach neun Uhr nicht mehr, wie oft sie mit ihrem Shuttle die Waldbühne bei Gehren angesteuert hat. Seit mehr als einer Stunde bringt sie mit ihrem Bus in unzähligen Touren Musikfans aus ganz Deutschland zu der Freilichtbühne. Tanzfläche, Park- und Zeltplätze sind schon um 20 Uhr voll. Die 8. Auflage von „Rock im Wald“ hat einen neuen Besucherrekord gefeiert.
Nicht nur die Band „Shawue“ sorgte mit Gaststar Uli Jon Roth (rechts) für eine volle Tanzfläche.
„So voll war es noch nie“, sagt Frank Trappe. Der Walddrehnaer Feuerwehrmann sorgt mit seinen Helfern vor dem Schloss Sinntrotz für eine sichere Anreise zu dem Rockevent. Mehr als 200 Autos zählt der 54-Jährige schon um 21 Uhr. Vielen älteren Rockern, aber auch jungen Besuchern, weist er gemeinsam mit Sven Lauterbach den richtigen Weg.
Pünktlich um acht startet die Partynacht mit der thüringischen Rockband „Kirsche & Co.“. Unter sternenklarem Himmel tanzen sich die Waldbühnengäste warm. Vier Bands treten bei dem Konzert auf. Jede Gruppe hat ihre eigene Fangemeinschaft in das Heideblick-Dorf gelockt. Jung und Alt feiern gemeinsam.
Horst Lange hat sich spontan auf sein Fahrrad geschwungen und ist durch die Gehrener Berge zu der Party geradelt. Vor allem die Bands „Freygang“ und „Engerling“ seien dem Walddrehnaer bekannt. Nach einer kurzen Umbaupause sind es aber erst einmal die musikalischen Lokalgrößen von „Shawue“, die ihre Folkmusik mit Einflüssen aus dem Punk und Blues in den Wald bringen.
Mit Uli Jon Roth hat die Band einen echten Weltstar nach Gehren gebracht. Mit Sonderapplaus wird die einstige „Scorpions“-Gitarrist und Texter begrüßt. Er ist auch der Erste, die in die Saiten haut. Dass der Musiker als Gast auf der Bühne steht, ist schwer zu glauben. Jeder Einsatz, ob bei rockigen oder auch etwas ruhigeren Liedern, passt. Heike Neumann an der Violine und die Sänger und Gitarristen Charlott und Lutz Neumann verfeinern die Gitarrenklänge. Auch Uli Jon Roth steht kurz vor dem Finale der Bühnenshow vor dem Mikrofon und präsentiert mit weichen Gitarrenklängen und geschlossenen Augen das Lied „All Along the Watchtower“, einen Klassiker von Jimi Hendrix.
Uli Jon Roth tritt zum ersten Mal auf der Waldbühne auf. Am Morgen war er dafür von London nach Berlin geflogen. Gern blickt er auf die erste Begegnung mit den Künstlern von „Shawue“ im Jahr 2007. „Ihre Texte gefallen mir gut“, sagt der weitgereiste Musiker und Liedtexter. Der Tanzabend in Gehren erinnere ihn an die eigene Jugend. Proben habe er vor seinem Gastspiel nicht gebraucht. „Ich improvisiere viel lieber. Ich stehe auf Risiko“, sagt Uli Jon Roth. So bleibe der 56-Jährige frisch.
Ab Oktober startet der Gitarrist seine Welttournee. Der Auftritt im Wald bei Gehren ist sein vorerst letzter in der Bundesrepublik.
Die Bluesrockbands „Engerling“ und „Freygang“ sorgen auch im Anschluss dafür, dass die Tanzfläche zu keinem Zeitpunkt leer ist. 60 Zeltplätze, mehr als 200 Autos und über 600 Besucher: „Rock im Wald 2011“ war bei seiner achten Auflage eine Rekord-Rocknacht. „Es müssen noch mehr große Rockbands auf der Waldbühne spielen. Dann kommen auch die Besucher“, hofft Peter Kopsch auf erfolgreiche Neuauflagen.
Von Henry Blumroth
Foto: Fred Bauer
Lausitzer Rundschau
Konzertbericht vom 25.09.10 „Kirsche & Co und Shawue & Uli Jon Roth“
… Nach einer kurzen Umbaupause übernahm Shawue das Steuer, und alle Ampeln waren jetzt auf “Message Folk“ gestellt. So nennt die Band ja nicht zu unrecht ihre Musik. Mit „Sarajevo“ ging es musikalisch eher sehr bedächtig los. Aber dieses Lied hat es durchaus in sich, und das besonders vom Text her. Es ist ein leises, eindringliches Friedenslied, welches ohne Parolen auskommt. Auch „Die Nacht“ war ein etwas ruhigeres Lied. Mit „7 days“ und „Die Gräfin“ kam dann aber ordentlich Schwung in die Sache. Ich mag die Konzerte von Shawue, weil die Band vor Spielfreude und Leidenschaft auf der Bühne zeitweise förmlich explodiert und ihre Musik wohltuend mitreißend ist. Das ist ehrliche, handgemachte Rockmusik von der allerbesten Sorte. Dass ein weltbekannter und erfolgreicher Künstler wie Ex-Scorpions-Gitarrist Uli Jon Roth ein paar Konzerte im Jahr mit Shawue bestreitet, sagt schon einiges über die Qualität der Musik und die Faszination aus, die von Lutz Neumann und seiner Truppe ausgeht. Uli hat einfach Spaß an der Sache, und auch bei diesem Konzert stand er bescheiden auf der Bühne und brachte sein Können absolut banddienlich ein. Die Shawue-Setlist enthielt naturgemäß die bekanntesten Stücke wie „Silbermond“, „Sie tanzt auf ihren Rädern“ und Halte durch“.
Für Bewegung und Action sorgten bei Shawue wieder Frontmann Lutz Neumann und Bassistin Charlott. Vater und Tochter wirbelten und rockten zeitweise wie ein (Rock-)Orkan über die Bühne. Bei Familie Neumann spielt aber immer noch Mutter Heike die erste Geige und das tat sie auch im „Tante Ju“ wieder. Die ungewöhnliche Instrumentierung mit Violine und Mandoline zeichnet Shawue meiner Meinung nach auch aus. Das Ergebnis ist ein abwechslungsreicher Sound und wahrhaftes Folkfeeling. Da verwundert es mitnichten, dass die Fans bei der Musik richtig mitgehen. Tanzen, mit dem Fuß wippen und Mitsingen ist bei Shawue-Konzerten auch nichts Ungewöhnliches. Mit Manuel Kaatsch hat Shawue einen jungen, dynamischen Schlagzeuger in ihren Reihen. Manuel war übrigens als Kind schon Fan der Band, und er hat früher viele Shawue-Muggen besucht. Natürlich ist Lutz Neumann die (Haupt-)Stimme von Shawue. Bei den Refrains kann er jedoch auch auf die stimmliche Unterstützung von Tochter Charlott und Gitarrist Andreas Mann bauen. Charlott sang außerdem auch noch als Solistin den Titel „nach Haus“.
Kennt ihr das auch, dass ihr manchmal ein Lied hört und es gar nicht mehr aus dem Kopf bekommt? Mir geht es manchmal mit „Scheißkerl“ von Shawue so. Schon den ganzen Tag hatte ich vorfreudig diesen Refrain „du alter Scheißkerl, jetzt hängst du rum und tust dir selber leid. Du alter Scheißkerl und heulst mir auch noch die Ohren voll. Du hast bekommen was du verdienst“ auf den Lippen und im Ohr. Widerstand war zwecklos, die Melodie fand immer wieder den Weg zu mir. Natürlich fehlte dieser famose Ohrwurm auch bei diesem Auftritt nicht und während ich diese Zeilen schreibe, läuft das Lied zufällig (?) gerade in meinem Player und mir steht bestimmt auch gerade ein fettes Grinsen im Gesicht.
Ich hätte nicht gedacht, dass Shawue bei dieser Mugge Gitarrenlegende Jimi Hendrix würdigen würde. Aber wenn man schon einen Hendrix-Experten und Ausnahmegitarristen wie Uli Jon Roth dabei hat, kann man musikalisch mit zwei oder drei Klassikern schon mal anlässlich seines 40. Todestag an Hendrix erinnern. „Tante Ju“, Kirsche & Co., Shawue und UJR haben uns wirklich einen schönen Abend bereitet, und wir trudelten nach der Mugge sehr zufrieden der Heimat entgegen.
Bericht: Gundolf Zimmermann
Fotos: Steffen Nitsche
Der komplette Artikel ist nachzulesen unter: http://www.ostrockforum.com/index.html?berichte/kirsche250910/kirsche.htm
NEU FORMIERT UND WIEDER DA
Shawue startet eine weitere Gipfelbesteigung
Dass Erfolg in der Regel hart erarbeitet werden muss, haben die Niederlausitzer von Shawue zur genüge am eigenen Leib erfahren. Reichliche 20 Jahre nach dem ersten Auftritt blickt Gründungsmitglied und Kopf der Band, Lutz Neumann, nicht nur auf den easy way of life`. Die Schreibweise des Bandnamens änderte sich (anfangs war die Gruppe als Dejá-vu bekannt), Musiker kamen und gingen, Enttäuschungen von Menschen und Verluste mussten hingenommen werden, mal war das Projekt ein Duo, mal ein Quartett, mal ging gar nichts mehr… Mit den Verunsicherungen, die Währungsunionen mit sich bringen, blieb zwischenzeitlich auch erstmal die Kundschaft in den Auftrittsorten weg. Dennoch – und das spricht für das Standvermögen der Band – erschienen kontinuierlich wunderschöne Folkrock-Alben, die unter anderem vom außergewöhnlichen Einsatz der Mandoline und einer hohen Gitarrenlastigkeit leben. Die musikalische Ausrichtung beschreibt Lutz Neumann wie folgt:
Ich erhebe keinen Anspruch auf große Kunst. Deshalb war auch die Musik der „Folkis“ (Bob Dylan usw.) die, die mich am meisten beeinflusst hat. Ich mag es auch sehr, wenn in Rocksongs rock-untypische Instrumente zu hören sind. Ohne, dass dabei gleich wieder Folklore herauskommt. Deshalb spiele ich auch Mandoline (kann ich am besten). Wir haben das auf unseren Platten (manchmal auch live) mit Hilfe von Gastmusiker versucht auszubauen. Ich bin ganz froh, dass wir jetzt die Geige dabei haben, denn sie unterstützt meine Vorstellungen noch ein Stück mehr.
In deutsch sind unsere Songs nicht nur weil wir hier leben, sondern auch weil ich gern weiß worüber ich singe. Ich finde, man sollte in der Sprache singen in der man auch denkt und das kann ich nun mal am besten in deutsch (leider).
Deutsche Texte, so wie BAP oder Wolf Maahn sie verstehen zu schreiben, waren bei den eigenen Songs immer ein Muss. Neumann erinnert an die Anfänge, selbst da wurden Lieder von Bob Dylan und den Rolling Stones eingedeutscht. Nach den Highlights gefragt, gleichen die schönsten Momente der Bandgeschichte hohen Gipfeln zwischen den Tälern, die jeden noch so harten Aufstieg vergessen machen: das 92er gemeinsame Konzert mit The Troggs („Wild Thing“), Konzerte mit Keimzeit, Rammstein, Silbermond und Idol Wolf Maahn, Sessions mit dem Mellencamp- und Smashing Pumpkins-Trommler Kenny Aronoff, Gitarrenvirtuosen Uli Jon Roth mit Eric Fish (Subway To Sally) oder aber der überaus erfolgreiche Auftritt von Shawue beim Hardcore Festival in Feldkirch (Österreich). Selbst über den großen Teich schaffte es ihre Musik, explizit das Stück „Der Wald“, der an amerikanischen Schulen anerkanntes Unterrichtsmaterial ist. Inzwischen ist das Musikprojekt Shawue beinahe ein Familienunternehmen. An Neumanns Seite geben sich neben Andreas Krüger (Schlagzeug) und Andreas Mann (Gitarre) auch Tochter Charlott am Bass und Ehefrau Heike an der Violine die Ehre. Macht man das, weil die Hälfte des Tages nicht ausreicht, um „in Sachen Familie“ unterwegs zu sein? Nein, macht man nicht, denn es gibt ja noch zwei Familienmitglieder.
Heike hatte schon immer ein großes Herz für alles was mit Musik und Band zusammenhängt und hat dieses Gefühl in die Familie übertragen. Da es aber auch in einer Musikerehe den Alltag gibt, hat sie mir den Rücken für meine musikalischen Dinge freigehalten und sich um unsere drei Kinder gekümmert, wozu auch eine musikalische Ausbildung gehört.
Klavier, Gitarre, Schlagzeug und Violine gehören zum Alltag der Familie.
So kam es, dass sie in der Band unserer Töchter spielte und dort die Violine einsetzte. Durch den Studienbeginn unserer großen Tochter brach dieses Projekt zusammen.
Da zu dieser Zeit wieder mal „Not am Mann“ bei Shawue war kamen Charlott und Heike in die Band und somit die Violine.
Charlott liebt ihren Bass. Sie hat schon mal mit 14 bei Shawue ausgeholfen, aber in diesem Alter war es uncool mit dem Vater auf der Bühne zu stehen.
Jetzt ist sie 18, alles ist anders und sie ist stolz, dass sie jetzt mit ihrem Vater zusammenarbeitet und zur Band gehört.
Unlängst ist die siebte CD der Band erschienen, „20 Jahre Shawue“ (erhältlich übers Internet). Auf ihr zeugen 17 Lieder davon, dass die Leute, die hinter Shawue stehen, ihr musikalisches Handwerk exzellent beherrschen und dass der Stil trotz vieler Brüche in der Bandbiografie bewahrt werden konnte. Klar, der Zeitgeist kam auch an Shawue nicht vorbei, doch er hat sich wohltuend unaufdringlich in jede Note, jedes Wort geschlichen. Das verleiht den Kompositionen den Charakter der Unsterblichkeit. Anteil daran hat auch der Stempel, den Christian Müller mit seinem Gitarrenspiel der Musik von Shawue aufgedrückt hat, ehe er für immer und viel zu früh die Band verlassen musste. Manche Dinge bleiben, selbst wenn sich alles um sie herum ändert. Shawue könnte auch davon ein Lied singen…
Text: Karin Paul
Melodie & Rhythmus
Konzertbericht
vom Konzert am 18.07.2009 im Kesselhaus-Lager in Singwitz
Die Band Shawue gibt es seit über 20 Jahren, und dem Namen nach war sie mir seit den neunziger Jahren ein Begriff, nicht zuletzt wegen Christian „James“ Müller, der ab 1992 bis 1999 fest bei Shawue spielte James war einer meiner ersten Musikerhelden, spielte er doch in den achtziger Jahren in der Honky Tonky Band aus Bautzen. Honky Tonky genoss damals Kultstatus und James prägte diese Band durch sein außergewöhnliches Gitarrenspiel wesentlich mit. Diese Amateurband brachte es sogar zu Rundfunk-/Schallplattenehren. Leider verstarb Christian „James“ Müller im Jahr 2003 unerwartet. Jedenfalls war James der Auslöser dafür, dass ich mir den Bandnamen Shawue fest einprägte. Bei solchen Dingen bin ich manchmal wie ein Elefant... die vergesse ich einfach nicht.
Als ich kürzlich in den Veranstaltungshinweisen des Kesselhauses die Ankündigung des Shawue-Konzertes las, war für mich klar, dass ich dort hin muss. Es hat also lange gedauert, aber gestern war es soweit: mit Lissi und der Jugendbrigade aus dem Erzgebirge trafen wir uns im Kesselhaus Singwitz zur Shawue-Mugge. Für Lissi und mich sind Konzerte im Kesselhaus ja Heimspiele, da wir nur wenige Kilometer entfernt wohnen. Das Haus begrüßte uns mit weit geöffneten, einladenden Türen. Wir hatten bis zum Konzertbeginn noch reichlich Zeit, die wir uns aber mit netten Gesprächen verkürzten.
Als das Licht dann im Saal ausging, stieg meine Spannung deutlich. Das Banner im Bühnenhintergrund mit dem Schriftzug von Shawue wirkte noch etwas einsam und verloren, es wartete wohl genauso wie wir auf die Musiker. Nach einem Intro aus der Konserve betraten die Musiker die Bühne, und mit „Scharlatan“ legte Shawue los. Schon nach den ersten Minuten war mir klar, dass da oben wahrlich keine Scharlatane standen, sondern Musiker mit Herz und Seele. Allen voran Frontmann Lutz Neumann, der wirklich wie aufgezogen über die Bühne fegte.
Shawue spielte fast nur eigene Lieder und ein, zwei ausgewählte mit eigenen deutschen Texten versehene Klassiker von Bob Dylan. Lutz Neumann hält das Schiff Shawue seit Jahren am Laufen, und er läßt sich nie von seinem Kurs abbringen. Die Geschichte der Band ist durch viele Besetzungswechsel gekennzeichnet, aber Neumann gab nie auf. Wenn man ihn auf der Bühne erlebt, sieht und spürt man, dass er für die Musik und für Shawue lebt. Musikalisch spielte die Band Folkrock vom Allerfeinsten. Die Melodien gingen sofort ins Blut, und bald sah man im Publikum wippende, tanzende Leute. Das will schon mal was heißen, denn das Kesselhaus-Publikum ist verwöhnt von guter Musik und schon traditionell zurückhaltender als anderswo. Die Shawue-Musik ist absolut rockig, tanzbar und abwechslungsreich. Gekonnt werden bei Shawue Elemente von Rock, Folk, Blues bis hin zum Punk zu einem einheitlichem Ganzen vermischt. Lutz Neumann spielte hauptsächlich Gitarre und sang. Zeitweilig griff er aber auch zur Mandoline oder zur Mundharmonika. Diese zeitweiligen Klangtupfer waren einfach faszinierend.
Doch für die Shawue-Musik sind auch die Gitarren kennzeichnend. Hier hat Christian „James“ Müller deutlich seine Spuren hinterlassen. Das hat sich sogar bis zum Ex-Scorpions-Gitarristen Uli Jon Roth rumgeschwiegen, der mittlerweile mehrmals im Jahr als Gast bei Shawue mitwirkt. Eigentlich sollte er auch gestern in Singwitz dabei sein, aber Uli’s Management hatte leider einen falschen Flug gebucht, so dass er nicht pünktlich aus Italien zurückkehren konnte. Doch Roth’s Fehlen änderte nichts am hervorragenden Auftritt und Sound der Band. Lutz erinnerte sich in Ansagen mehrmals dankbar an James und seine Verdienste um Shawue. Einige der Lieder wie zum Beispiel „32 Volt“ entstammen ja auch noch aus der Feder der Bautzner Musikers.
Im Kesselhaus war es mächtig heiß, deshalb gönnte die Band sich und dem Publikum auch zwei Erholungspausen zum Atem holen. Doch nach den Pausen ging es immer gleich nahtlos weiter. Mein Eindruck war, dass die Musiker, je länger das Konzert dauerte, immer mehr zu Höchstform aufliefen. Da wurde gerockt und gefiedelt was das Zeug hielt. Für das Fiedeln ist bei Shawue Neumanns Frau Heike mit ihrer Geige zuständig. Sie spielt das Instrument hörbar, aber völlig unaufdringlich. Auch das zeichnet die derzeitige Shawue-Musik aus. Der Sound ist gut abgestimmt, kein Instrument wirkt aufdringlich oder störend.
Nach Mitternacht durften wir auch noch den 20. Geburtstag der Bassistin Charlott gebührend feiern. Sie heißt mit Nachnamen auch Neumann ;-) und ist die Tochter von Lutz und Heike. Das erste Mal spielte sie übrigens mit 15 Jahren bei Shawue. Charlott spielt nicht nur die tiefen Töne bei der Band, sie singt auch die Nebenstimme und untersützt damit den Hauptsänger Lutz. Bei einem Lied trat sie sogar solistisch als Sängerin in Erscheinung.
Gitarrist Andreas Mann und Schlagzeuger Manuel Kaatsch machten die Band komplett. Beide fügten sich sehr harmonisch in das Klanggefüge ein. Andreas spielte wirklich einige sehr schöne Solos. Shawue kam natürlich nicht ohne Zugaben von der Bühne. Die Band hat sich diese Würdigung durch das Publikum auch redlich verdient.
Nach dem Schlußapplaus standen die Musiker auch noch für Autogramme und Gepsräche zur Verfügung. Auch hier machten die Musiker einen sympathischen Eindruck auf mich. Shawue kann ich also wämstens empfehlen. Eins ist schon jetzt sicher, diese Band werde ich bald wieder bei einem Konzert besuchen.
Bericht: Gundolf Zimmermann
www.deutsche Mugge .de
Konzertbericht
Shawue & Uli Jon Roth
Konzert vom 30.07.2011 im Kesselhaus-Lager in Singwitz
Regen, nichts als Regen. Das Wochenende versank mal wieder in den Tränen des Himmels. Trotzdem sah ich die Sache ab dem frühen Abend ausgesprochen locker. Das hatte etwas mit dem runden Leder und einem nach 0:3 Rückstand noch gedrehten Fußballspiel zu tun. Der dynamische David von der Elbe besiegte nämlich den niederrheinischen nullvierer Tabletten-Goliath mit 4:3 in der Verlängerung. Herz, was willst Du mehr? Na ja, etwas Livemusik zur Feier des Tages wäre vielleicht nicht schlecht. So könnte ich diesen Bericht einleiten, aber das ist natürlich Quatsch, denn der Konzertbesuch war so oder so geplant. Es war mir jedoch ein innerer Vorbeimarsch den glorreichen Sieg der SG DYNAMO Dresden über Bayer Leverkusen hier ganz unauffällig eingearbeitet zu haben ;-)
Wie weit es bis ans Ende des Universums ist, weiß ich nicht genau. Aber soviel ist sicher, das Kesselhaus Singwitz liegt viel näher und den Weg dahin kenne ich auch genau. Nach 10 Minuten Fahrt sind wir schon dort und parken an derselben Stelle wie immer. Singwitz ist halt ein Heimspiel für uns. So ein Konzertabend muss nicht schweineteuer sein und neben dem abwechslungsreichen Konzertangebot besticht das Kesselhaus eben auch durch humane Preise, engagierte und freundliche Mitarbeiter sowie eine vielfältige Auswahl an Getränken. Kurz gesagt das Kesselhaus ist ein Ort zum Wohlfühlen. Hier haben sie alle schon gespielt von ACOUSTICA bis ZÖLLNER, von THE BREW bis TEN YEARS AFTER. Viele Künstler kommen mehr oder weniger regelmäßig immer wieder zu Konzerten hier vorbei und ich glaube, die meisten Musiker tun das sogar gerne. In Singwitz geht es irgendwie familiär zu, und es gibt einen nicht unerheblichen Teil Stammpublikum.
An diesem 30 Juli des Jahr 2011 machte die Band SHAWUE nach 2 Jahren mal wieder ihre Aufwartung im Kesselhaus und das sogar mit einem Weltstar. Der Name Ulrich Roth wird vielen musikinteressierten Menschen sicher wenig bis gar nichts sagen, aber unter seinem Künstlernamen Uli Jon Roth kennt man ihn weltweit. Er war von 1973 bis 1978 Leadgitarrist der SCORPIONS. Insgesamt fünf Langrillen entstanden in dieser Zeit. Höhepunkt und Abschluss seines Wirkens bei Klaus Meine, Rudolf Schenker und Co. war das Doppel-Livealbum "Tokyo Tapes", welches heute als Klassiker der Rockgeschichte zählt. Nach seinem Ausstieg widmete sich Uli anderen Projekten wie der Band ELECTRIC SUN (6 Jahre, 3 Alben) und seiner anschließenden Solokarriere. In den achtziger Jahren entwickelte er auch die Skygitarre, die es ihm ermöglichte einen erheblich größeren Umfang an Tönen zu spielen. Solche Geräte gibt es mit 6 oder auch 7 Saiten, den technischen Kram zu diesen Gitarren erspare ich uns. Jedenfalls spielt der Uli mit einer seiner Skygitarren seit dem Jahr 2007 gerne mal bei SHAWUE mit. Das sagt meiner Meinung nach eine Menge darüber aus, was er von der Band und ihrer Musik hält. An diesem Abend in Singwitz hatte ich zum dritten Mal das Vergnügen Herrn Roth mit SHAWUE zu erleben. Mit einem donnernden musikalischen "Macht die Leinen los" gaben Heike, Charlott, Andreas, Manuel, Uli und Lutz den Singwitzern für die nächsten Stunden die Richtung vor. Obwohl das Lied ja von der ewigen Suche nach dem Paradies handelt, formten sich dazu ganz andere Bilder in meinem Kopf. Ich sah vor meinem geistigen Auge Frontmann Lutz Neumann wenige Minuten vor der Show gefesselt im Backstage-Bereich und hörte ihn dieses "Macht die Leinen los" brüllen, denn der Mann wollte endlich raus ans Mikrofon. Wer SHAWUE jemals live gesehen hat weiß ja, dass Lutz bei den Konzerten wie von einer Last befreit und von Ketten entfesselt über die Bühne fegt. "Macht die Leinen los. Wir legen ab in Richtung Horizont. Vor uns liegt die neue Welt" könnte man aber auch sehr gut als Aufforderung an das Publikum verstehen, sich vom Alltag zu befreien, gemeinsam mit SHAWUE neue musikalische Horizonte zu entdecken und das kleine Paradies eines Konzertes zu erleben. Oh weh, was habe ich denn da geschrieben? Manchmal kommen mir wirklich seltsame Gedanken ;-) Vielleicht liegt das ja auch daran, dass ich die Musik von SHAWUE besonders bei den Livekonzerten zu sehr großen Teilen als gute Laune-Musik empfinde. Ich kann dabei wirklich wunderbar abschalten und einen Abend lang Spaß haben. Das ist eigentlich gar nicht so selbstverständlich, denn die Texte der Lieder sind oft harter Arbeitsstoff für's Gehirn und eigentlich gar nicht immer auf Partystimmung ausgerichtet. Sie behandeln Themen bzw. Geschichten, die aus dem Leben gegriffen sind und die wohl auch einen selbst betreffen können. Die Lieder erzählen von Menschen sowie ihren Problemen mit sich selbst, mit den Leuten im Umfeld und mit der großen Welt drumherum. Liebe, Träume, Wünsche, Beziehungsstress, Schicksale, Krieg - und viele andere Themen werden darin verarbeitet. Die ganze Palette an Gefühlen von Freude, Optimismus, Lebensmut, über Wut, Ratlosigkeit, Mitleid bis hin zu Trauer spiegeln sich in den Texten wider. Nicht umsonst nennt die Band ihren Stil auch "Message Folk". Obwohl der Begriff Folk hierbei alles oder nichts bedeuten kann. Was SHAWUE macht, geht schon in die Folkrichtung, aber da ist noch jede Menge harter Rock, Punk, etwas Grunge, Blues und Country dabei. Weiß der Geier, wie man das feine Musik-Sammelsurium von SHAWUE besser kurz und treffender bezeichnen könnte. Also belassen wir es bei "Message Folk".
Die Musik von SHAWUE ist live höchst explosiv und auch im Kesselhaus genügten die Funken Leidenschaft und Spielfreude, um das Folkrock-Feuerwerk zu starten. Es dauerte nur Sekundenbruchteile bis sich auf der Bühne eine ungeahnte Energie entlud. Die aus Charlott am Bass und Manuel am Schlagzeug bestehende Rhythmusgruppe sorgte für ein temperamentvolles, lebendiges Fundament an dem sich die anderen Bandmitglieder sorglos entlanghangeln konnten. Andreas Mann und Uli Jon Roth gaben mit ihren Gitarren dem (Rock-)Soundgerüst Kraft und Fülle. Doch die entscheidende Folkwürze erhielt das Ganze durch Heike und Lutz Neumann in Form von Geigen- und Mandolinenklängen. Die der Musik von SHAWUE innewohnende Energie übertrug sich besonders auf Lutz und Charlott. Tochter und Vater rockten wie die Hölle um die Wette. Mir als Betrachter fiel dazu Folgendes ein: "Medizin nach Noten" war vorgestern, "Aerobic" gestern - heute gibt es "SHAWUE live". Aber gerade dieses quicklebendige, wilde Rocken als Ausdruck ungezügelter Spiel- und Lebensfreude sehe ich unheimlich gerne, und es steht der Band außerdem ausgezeichnet zu Gesicht.
Bericht:
Gundolf Zimmermann
Foto:
Gundolf Zimmermann
Lausitzer Rundschau
2010 Waldbühne Gehren
Sächsische Zeitung
Konzert im Tante Ju in Dresden